Zanella macht einen Quantensprung
Das Neuhauser Rennfahrertalent Christopher Zanella (19) startet am Wochenende in Hockenheim in der Formel 3
Teamchef Timo Rumpfkeil über Zanella (hier bei Tests in Estoril): "Ich bin überzeugt, dass er eine starke Saison absolviert. Ich traue ihm Platzierungen unter den Top Acht zu."
MOTORRENNSPORT. In der letzten Saison hat Christopher Zanella das scheinbar Unmögliche möglich gemacht. Ab dem nächsten Wochenende startet der Neuhauser in der Formel 3 Euro Serie, der härtesten Meisterschaft nach der Königsklasse. Und sein Ziel bleibt weiterhin der Aufstieg in die Formel 1.
von Marcel Tresch
«Dieser Bursche hat eine hervorragende Saison abgeliefert, indem er Schnelligkeit und Regelmässigkeit perfekt miteinander zu verbinden wusste.» – Christopher Zanella lehrt als Nobody den Grossen im Motorrennsport das Fürchten. Auf einer Stufe mit Räikkönen und Buemi.» – Er ist ein Supertalent, das auf der Strecke sofort das umsetzt, was von ihm verlangt wird.» – «Mit seiner unwiderstehlichen Art lässt er seinen Konkurrenten nicht den Hauch einer Chance.» Für solche und weitere positive Schlagzeilen sorgte Christopher Zanella in seiner ersten Saison in einem Formelrennauto, bevor und nachdem er auf Anhieb die Schweizermeisterschaft in der LO Formel Renault 2.0 gewann und zudem Schweizer Rennwagenmeister 2008 wurde. Dabei stand er gleich zwölf Mal auf dem Podest und die Hälfte davon ganz oben. Nach dem Gewinn des Titels visierte der Rookie – entgegen den Ratschlägen von zahlreichen Kennern der Szene, die dem 19-Jährigen kleinere Schritte für seine Karriere empfahlen – die Formel 3 Euro-Serie an. Und erste Tests im ungewohnten Boliden sollten ihnen Recht geben.
Rechnung ohne Zanella gemacht
Resultatmässig verliefen diese unter ferner liefen. «Ich musste zuerst einmal das neue Auto mit komplett anderem Fahrverhalten kennen lernen», hat der junge Bursche mit dem grossen Kämpferherzen diese Phase abgehakt. Und die Skeptiker unter den Experten hatten an den ersten kollektiven Tests im spanischen Valencia und portugiesischen Estoril nicht das erste Mal die Rechnung ohne den Zanella gemacht. Mehr als einen zwanzigsten Rang in der Königsklasse des Nachwuchssports wurde dem Rookie nicht zugetraut. In seinem besten Testrennen fuhr der sonst ruhig und besonnen scheinende Neuhauser als Zehnter über die Ziellinie und verblüffte erneut die Fachwelt. Offenbar braucht Christopher Zanella die verbalen Boxen-Provokationen oder die physischen Attacken auf der Piste, um so richtig auf Touren zu kommen. Prompt vertritt er nun als Newcomer und einziger Schweizer an der Seite des Finnen Atte Mustonen die Farben des deutschen Rennstalls Motopark Academy (Oschersleben) in der Formel 3 Euro-Serie. Bis es allerdings definitiv soweit war, musste der Pilot vom Rheinfall ein unsägliches Hickhack fern von allen Rennstrecken miterleben. Zuerst begann sich das Sponsoren-Karussell erfolgreich zu drehen. Danach beantragte ein Geldgeber die Exklusivrechte an Zanella für die nächsten drei Jahre. Wochenlang folgten Zahlungsversprechen. Das Konto blieb jedoch konsequent leer.
Unterstützung durch den Teamchef
Einer aber hatte das Talent des Jungpiloten erkannt und wollte ihn unbedingt haben: Motopark-Teamchef Timo Rumpfkeil. Dank seinem Entgegenkommen und einer Sponsorengruppe steht nun Christopher Zanella mittendrin statt nur dabei. «Für mich die Chance meines Lebens», ist der Neuhauser begeistert. An einen zweiten Titel in seiner erst zweiten Saison verschwendet er aber keinen Gedanken. Dazu ist die Euro-Serie zu knüppelhart, wird auf der Piste um Millimeter gefightet. Die Testergebnisse beweisen es: nur eine halbe Sekunde schneller und er wäre knapp an einem Podestplatz vorbeigeschrammt. In der F3 Euro-Serie wimmelt es dutzendweise von Talenten wie Zanella. Da wird einem rein nichts geschenkt, schon gar nicht eine bessere Platzierung in den Rennen. Alle mit derselben Vision, mit dem gleichen Ziel vor Augen: die Promotion in die absolute Königsklasse – die Formel 1. In aller Regel haben die Piloten zwei, drei Jahre Zeit, ihren Traum zu verwirklichen. Danach ist normalerweise Schluss. «Ich stehe vor einem knallharten Lehrjahr», ist sich Zanella dem wachsenden Druck bewusst. Doch darin liegt auch seine ganz grosse Herausforderung. Mindestens 15. will er werden. Ein hohes Ziel. Doch auch Teamchef Rumpfkeil glaubt an ihn: «Von ihm habe ich schon Dinge gesehen, welche nur die ganz Grossen können. Aber er wird eine steile Lernkurve hinlegen.»
Der Rennkalender der Formel 3 ES
15. bis 17. Mai 2009: Hockenheimring Baden-Württemberg (De)
29. bis 31. Mai 2009: Euro Speedway Lausitzring Bad Liebenwerda (De)
26. bis 28. Juni 2009: Speed-Weekend Norisring Nürnberg (De)
17. bis 19. Juli 2009: Circuit Park Zandvoort (NL)
31. Juli bis 2. August 2009: Oschersleben Sachsen-Anhalt (De)
14. bis 16. August 2009: Nürburgring Adenau Eifel (De)
4. bis 6. September 2009: Brands Hatch Fawkham bei Dartford (GB)
18. bis 20. September 2009: Circuit de Catalunya Montmeló Barcelona (E)
9. bis 11. Oktober 2009: Circuit de Dijon-Prenois Burgund (F)
23. bis 25. Oktober 2009: Hockenheimring Baden-Württemberg (De)
|
|
| Die dreidimensionale Animation zeigt, wie Christopher Zanellas Bolide aussieht. | Christopher Zanella bei Tests in der Boxe. |

