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Startseite Januar - Juni 2009 KW 20/09 "Wo ein Wille ist, ist auch eine Bewilligung"

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"Wo ein Wille ist, ist auch eine Bewilligung"

Eine etwas andere Sicht der Dinge, die eine Einsicht vermittelt, dass Worte, mit geistigem Geschick kombiniert, einen unerwarteten Sinn bekommen. Das beherrscht der Rechtsanwalt und Liederpoet aus Stein am Rhein, Christof Brassel, perfekt.

Eine Bühne, ein Stuhl, eine Gitarre und ein Liederpoet. Das Konzert fand auf der Schwanen-Bühne in Stein am Rhein erst nach dem Urknall statt. «Live und Live-haftig, und nicht auf einer Leinwand darf ich hier auftreten», sagte der Liederpoet und lächelte. Seine musikalischen Reportagen haben eine reale Quelle, die auf gesellschaftlichen Ereignissen basiert. Sie haben einen tiefen Sinn und überlassen dem Zuhörer die Freiheit, selbst zu entscheiden, ob darüber nachgedacht, oder gelacht werden sollte. Das Gesagte steht im Raum und diese filmreifen Geschichten mit der notwendigen dramatisierenden Leichtigkeit lassen einen nicht mehr los. Die Frage aller Fragen: «Sind wir ‘Öpper’?» wird zu einer existenziellen Frage der anderen Natur. Wie auch der Titel seines zeitlosen und aktualisierten Programms «Nobody Niemer & die Öpper-class». Niemand kann es wissen, ab welchem Zeitpunkt ein «Niemer» zu einem «Öpper» wird. Der Mensch braucht Hilfsmittel. So entsteht das Handyviduum, festgehalten in einem Lied. Man möchte schliesslich wirklich «Öpper sein» und nicht irgendeiner. Die Welt kommt auf die Welt und somit an die Kinokasse im Tal der Wiederkehr, im Kino Veritas. Standortwettbewerb unter Ortschaften, «erfolgreiche» Strategien der Krisenmanager bleiben nicht verschont. «Realität ist das grösste Problem der Krisenmanager, weil sie nicht mehr realisieren in welcher Krise sie schlussendlich stecken». Mit der Haltung «so tun als ob» kommt man ja bekanntlich nicht weiter: «Ein Mann der Tat macht einen super Job, doch auch das Happyend tut nur als ob». So muss der Öpperste «Öpper» also der liebe Gott in Nebraska vor Gericht für seine «Machenschaften» Rechenschaft ablegen. Am Ende erfolgte der Freispruch. Denn wenn er an allem schuld sein soll, wären alle Richter arbeitslos. Dieses Argument überzeugte. Die Forschungsergebnisse ohne Gewähr in den Liedern vor dem Urknall verfolgten die Zuhörer aufmerksam. Das Ende der zeitlosen Zeit ist eingetreten. Wem gehört eigentlich der Abgrund? Es wurden auch neue Lieder wie: «Das Lied vom Bär-Luchs-König» (Berlusconità), «Der lange Schatten der Familie Tantalos» (frisch aus der griechischen Mythologie), «Tun als ob» (das Lied vom Krisenmanagement), Neuauflage von «Handyviduum» (Anpassung an den aktuellen Stand der Technik) vorgestellt. Für Liederpoet Christof Brassel existieren die vom reinen Verstand vorgegebenen Grenzen nicht. Er befreit sich aus dem «Schachtel-Denken» und führt seine Zuhörer in die spielerisch-abgründige Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit, die bei ihm als hochmelodiöser Wortraum existiert. Jedoch keineswegs nur reine Sprachspiele ohne Realitätsbezug. Er zeigt was hinter der Fassade steht, was durch ihn erkennbar wird und sich durch ihn darstellen lässt. Eine philosophische Hinterfragung der Realität «bis dorthin, wo sich die wortlose Sprache und die sprachlosen Worte «gute Nacht» sagen».

Jurga Ruesch